In meinen Herbstferien in der Provence las ich in den Blog's meiner Kollegen Sven und Rotscher einige Berichte über Besteigungen von diversen Hörnern im Wallis. Ich wurde ganz kribbelig und wollte auch noch so ein paar Hörner besteigen. Mit der Bella Tola hatte ich ja bereits eines hinter mir. Ich recherchierte ein wenig im Gebiet Binntal und Rappetal, welches mir übrigens schon lange ins Auge stach, und stellte nachfolgende Tour zusammen. Und meinem Aufruf konnten die beiden natürlich nicht widerstehen ;-)


Panorama vom Eggerhorn ins Oberwallis


Wir trafen uns am Bahnhof von Fiesch, von wo wir dann etwa 150 hM Richtung Goms hinauf fuhren, um zu der neuen Hängebrücke zu gelangen.


Wunderschön und lang schwingt sie sich über die Rotten hinüber nach Mühlebach. Am Morgen hatte es noch keine Wanderer, so dass wir sie komplett befahren konnten. Die Brücke ist eine super Alternative, um nach Ernen und weiter ins Binntal zu gelangen. Früher musste man ja immer von Fiesch runter zur ARA und dann hoch, was einige Höhenmeter mehr ausmachte, oder man nahm den Trail, welcher aber auch schon schieben bedeutete.


Weiter ging es altbekannt über die Strasse und die alte Tunnelumfahrung Richtung Binn.


Immer wieder schön dieser Streckenabschnitt.


Nach einem feinen Kaffee in Binn und der Weiterfahrt bis ans Ende der Teerstrasse begann dann in Fäld der richtige Aufstieg auf Flurstrasse.


Die Waldgrenze lag bald hinter uns und die herrlichen Aussichten weit in die Walliser Alpen öffneten sich. Bekannte Touren wir der Saflischpass oder der Albrunpass konnten von weit her eingesehen werden.


Auf Schinerewyssi ging's dann endlich ins Gelände. Schiebend...


...und fahrend...


...erreichten wir das erste Horn, das Gandhorn auf 2'461 M.ü.M. Unsere Begeisterungsausbrüche über die herrlichen Panoramen und die wunderschönen herbstlichen Farben sollten an diesem Tag kein Ende nehmen.


Eine kleine aber bereits feine Abfahrt...


...führte uns hinunter zum Fäldbach. Kurz nach dem Eggerhorn hatte ich meinen Schreckmoment, der Alptraum jedes Bikers, wenn man irgendwo mit dem Fuss abstehen muss und kein Boden unter den Füssen ist. Der etwa zwei Meter tiefe Fall samt Bike auf den unteren Weg verlief zum Glück gimpflich, ausser einem geschürften Knie und einer im nachhinein schmerzhaften Rippenprellung stellten sich keine weiteren Schäden an Mensch und Material heraus.


Nun stand der steile Aufstieg von rund 400 hM auf den Grat an, welcher die nächsten drei Hörner miteinander verbindet. In der Felswand vor uns entdeckten wir aufgrund seines Hämmerns einen Strahler, der sein Glück in schwindelnder Höhe versuchte.


Endlich auf dem Grat auf 2'769 M.ü.M. Einfach unberschreiblich diese Stimmung im Spätherbst, wenn alles so ruhig ist, kein Vieh mehr oben und der nahende Winter die Landschaft verfärbt.


Wir saugen die Eindrücke auf, geniessen die wunderschönen Panoramen weitherum und füllen dabei die fast leeren Speicher.


Weiter geht's...


...in einem stetigen Auf und Ab. Wir haben mittlerweile die Orientierung verloren, auf welchem Horn wird uns jeweils befinden. Nebst den drei benannten Hörnern überfuhren wir noch ein paar Namenlose. Vielfach ist auf dieser Höhe nur noch Fels und Geröll anzutreffen, hier aber nur braune Schafweiden, die man in rasantem Tempo überrollen konnte. Um diese Jahreszeit hinterlässt man abseits der Wanderwege auch keine Schäden.


Prächtige Aussicht ins Rappetal, wo uns der weitere Verlauf der Tour hinführen sollte.


Sven wollte in dieser Abfahrt unbedingt das einzige Schneefleckchen weit und breit überfahren. Dass darunter eine Mungge ihren Eingang gegraben hat, konnte er natürlich nicht wissen. Er bezahlte seinen Übermut mit einem wilden Überschlag, der zum Glück ausser ein paar Prellungen ebenfalls gimflich ausging.


Der Fahrspass über die Hörner und den Schweifegrat kannte fast keine Grenzen.


Hier waren wir sicher, dass wir auf dem Chline Fülhorn waren. Nun ging's nur noch einmal in eine Senke, vorbei am Abzweig ins Rappetal, den wir dann später nehmen wollten...


...und noch auf's Eggerhorn mit 2'503 M.ü.M. Hier machten wir nochmals eine ausgedehnte Pause und schauten zurück auf den ganzen Grat und die befahrenen Hörner, bevor dann die Belohnung des Tages auf uns wartete. Sven war ja bereits einmal hier und wusste was uns erwartete.


Zurück zur Abzweigung...


...und dann runter auf diesem endlosen, ausgesetzten, geilen Trail. Einige Stellen waren unfahrbar, was den Fahrspass aber nicht wesentlich hemmte.


Die beiden Jungs liessen ihre Liteville's fliegen, ich nahm's ein bisschen weniger wild.


Bereits war der Talboden mit Milibach in Sicht.


Die hohe Kunst des Hinterradversetzens, wie es Rotscher beherrscht. Einfach ein Augenschmaus, ihm beim Biken zuzusehen.


In Unkenntnis der Brücke weiter oben überquerten wir den Milibach mehr oder weniger trockenen Fusses.


Was nun zurück nach Mühlebach folgt ist einfach nur ein Traum.


Ein Trail der Superlative mit viel Flow...


...und einigen technischen Stellen belohnt uns für die Anstrengungen des Tages. So muss doch eine Biketour enden.


Direkt in Mühlebach spukte uns der Trail nach fast 1'300 Tiefenmeter in die Zivilisation zurück. Jeder war sich sicher, diese Abfahrt nicht zum letzten Mal gefahren zu sein. Über die Hängebrücke fuhren wir zurück nach Fiesch.

Eine solche Wahnsinnstour mit abartigen Eindrücken mit zwei solchen Kollegen teilen zu können, macht das ganze unvergesslich. Danke Euch Beiden für die Begleitung. Immer wieder gerne...

46 km, 2'045 hM, 5h23'