Am Morgen regnete es immer noch und war verhangen, so dass wir den geplanten Col de Tricot ausliesen und direkt zum Col de Voza hochfuhren. Die geteerte Strasse war bis Bionnassay bereits elend steil, bis zur Passhöhe dann mussten wir gar kurz schieben.


Auf dem Col de Voza gab's dann einen feinen Kaffee auf der Terrasse.


In der Abfahrt durch das Skigebiet wurde dann das Wetter auch zusehends besser.


Der Abschnitt durch Chamonix ist eigentlich der langweiligste der ganzen Tour. Irgendwie muss man da möglichst schnell durch, am besten geht das auf Haupt- und Nebenstrassen. Erst nach Chamonix konnte man auf Trails durch Parks ausweichen. Im Vorfeld hatte ich geplant, Chamonix auf dem Balcon Nord zu umfahren, wunderschöne Trails hoch über dem Tal mit Blick zum Mont Blanc. Recherchen haben dann aber ergeben, dass hier absolutes Bikeverbot herrscht und das Gebiet den Wanderern vorbehalten bleibt.


Kurz vor Chamonix sahen wir dann auch zum ersten mal den Hauptdarsteller unserer Tour, den 4'808 Meter hohen Mont Blanc. 


Im Zentrum von Chamonix, gleich neben dem Bergsteigerdenkmal, machten wir dann in einem Café eine ausgedehnte Pause.


Richtung Argentière konnte man dann der Hauptstrasse ausweichen und auf Wegen und Trails an den Fuss des Col de Balme gelangen.


Dieser war dann bis zur Mittelstation wiederum sehr steil, so dass wir auch hier einige Abschnitte schieben mussten.


Überall neben dem Weg führten Abfahrtstrails in allen Schwierigkeitsgraden runter.


Pause in der Mittelstation, wo wir uns wiederum verpflegten. Der zweite Teil zum Col de Balme war nun wieder alles fahrbar.

Im gestern Abend reservierten Refuge auf der Passhöhe meldeten wir bei einem jüngeren Typen unsere Ankunft. Er zeigte uns die Abstellmöglichkeit für die Rucksäcke und die anzuziehenden Hausschuhe. Da wir erst um 17 Uhr die Unterkunft beziehen konnten, genehmigten wir uns jeder zwei Bierchen. Als es Zeit war den Schlag zu beziehen, übernahm der mittelalterliche Hausdrachen das Zepter. Sie erklärte uns, dass das Zimmer mit Halbpension 60 Euro pro Person koste, es kein Warmwasser und somit auch keine warme Dusche habe und zum Nachtessen Omeletten mit Käseplättli gebe. Und überhaupt wäre ihr sehr gedient, wenn wir nicht hier übernachten würden. Somit wussten wir genug und packten ohne weitere Diskussion unsere Sachen und machten uns davon. Also liebe Biker, denkt nie im Leben daran, eine Übernachtung auf dem Col du Balme zu planen.


Ziemlich angesäuert und mit zwei Bierchen intus...


...stürzten wir uns in die Abfahrt Richtung Trient.


Es rüttelte und schüttelte uns ziemlich durcheinander...


...bis wir endlich unten den Bach querten und zu den ersten Häusern gelangten.


Hier begann dann wieder die Suche nach einer Unterkunft, bis uns aus dem Gebäude nebenan ein französicher Biker darauf hinwies, dass man hier für 20 Franken duschen und übernachten können. Zuerst skeptisch, dann schon fast begeistert nahmen wir die Gelegenheit in dem Holzgebäude in der Bildmitte war. Mangels Morgenessen machten wir uns auf die Suche nach einem Lädeli, um morgen früh etwas in den Magen zu bekommen.


Über eine Eisentreppe direkt von der Strasse aus erreichten wir dieses gemütliche Massenlager. Darunter lagen die grosszügigen Garderoben und Duschen, sogar eine Kochgelegenheit war vorhanden. Ich unterhielt mich lange mit zwei Bikern aus Nizza, die ebenfalls auf Mont Blanc Tour waren. Der Jüngere schwärmte schon lange vom Fondue, das wir zum Nachtessen in einem Restaurant weiter unten einnehmen würden.


Wir schlossen uns ihnen an und genossen tatsächlich ein währschaftes Tomatenfondue, welches hier jedoch auf eine leicht andere Art als gewohnt eingenommen wird. Für mich zumindest war dieser Abend und auch die Übernachtung die Unterhaltsamste der ganzen Woche. Ein wunderbares Erlebnis mit neuen Bikekollegen bleibt lange in Erinnerung.


46,2 km, 4h44', 2'004 hM