Mit dieser Tour stand mir der Höhepunkt meiner Bikewoche und -karriere bevor, so hoffte ich wenigstens. Ist doch der Loson (oder auch Lauson) der höchste Pass des ganzen Alpenkammes, der sich mit vernünftigem Aufwand mit dem Bike überqueren lässt. Soviel vorweg, sämtliche Erwartungen wurden bei weitem übertroffen.


Dem Himmel nahe, höher gehts wohl nie mehr.

Nach einem weiteren Ruhetag mit viel Erhohlung war ich ziemlich aufgeregt, was mich wohl heute erwarten würde. Insbesondere auch der Weg zum Einstieg zum Loson, musste ich doch zuerst 20 km talabwärts fahren, dann ins Val Saravanche wechseln und wieder etwa 20 km und 1'000 hM aufwärts bis nach Eau Rousse. Auch diese Tour wollte ich ohne Busfahrt absolvieren.

 
Um nicht ganz runter ins Aostatal zu müssen, konstruierte ich mir einen Weg obenrum. Somit konnte ich rund 200 hM einsparen. Nach der kalten Abfahrt, zum Glück hatte ich Handschuhe dabei, bog ich nach Pondel runter. Aus einem anderen Blog entnahm ich, dass hier ein schöner Trail auf der anderen Talseite durchführen soll.


Über diese schön restaurierte Steinbrücke gelangt man zur anderen Talseite. Der anschliessende Trail weiter Talauswärts machte bereits viel Spass.


Kleine Gegensteigungen und dieser Tunnel erhöhten den Trailspass zusätzlich. Grösstenteils gings jedoch noch bergab.


Über eine kleine satte Steigung gelangt man zum Weiler Camagne, wo dann wieder eine Teerstrasse begann. Später sah ich, dass man ohne Steigung direkt nach Seissogne fahren könnte.


Bald war dann der tiefste Punkt erreicht und es ging nun auf Teerstrassen durch zahlreiche Weiler rund um den Bergzug Richtung Val Saravanche.


Diese schön angelegte Naturstrasse führte dann auf gleicher Höhe weit ins Val Saravanche hinein, so dass ich erst in Chevrere auf die Hauptstrasse gelangte. Von hier an musste ich nun wohl oder übel auf dieser bleiben, um sinnvoll und schnell nach Eau Rousse zu kommen.


Vor dem finalen Einstieg musste unbedingt noch ein Cappu her. Das einzige Restaurant lag ein paar Höhenmeter über der Strasse, was ich gerne in Kauf nahm.


Auf 1'690 M.ü.M. begann dann der Aufstieg, es lagen also 1'600 hM vor mir. Ich wusste jedoch aus diversen Berichten, dass der Weg weit hinauf, ja gar bis rund 3'000 M.ü.M., fahrbar sein sollte. Trotzdem konnte ich das noch fast nicht glauben, ich war gespannt. Die ersten paar Meter bis in den Wald waren aber bereits so rumpelig, dass fahren nicht möglich war. Doch dann im Wald wurde es sofort besser und der Trail war in einer angenehmen Steigung wunderbar zu befahren.


In weiten Serpentinen steigt der Weg durch den Wald hoch. Dazwischen öffnet sich manchmal die Sicht nach unten, hier sieht man nochmals zurück zum Restaurant und Einstieg.


Lange geht es in etwa so aufwärts, nur einzelne technische Passagen zwingen aus dem Sattel, viele davon wären fahrbar aber der Kraftverschleiss wäre zu gross.


Auf Levionaz Inferiore ist dann die Waldgrenze erreicht und man biegt endgültig in das weite Tal zum Loson ein.


Einfach hammermässig dieser ursprünglich von einem römischen Kaiser als Reitweg angelegte Pfad.


Immer weiter steigt der Weg, ich spüre langsam die 1'000 hM auf der Strasse, muss einige steilere Abschnitte schieben, kann auch aber immer wieder längere Passagen fahren.


Und tatsächlich ist erst ziemlich genau auf 3'000 M.ü.M. Schluss mit fahren. Unvermittelt geht es über in die Geröllhalde und die letzten steilen 300 hM stehen an.


Einige Steingeissen mit ihren Jungen waren hier oben die einzigen Lebewesen, Wanderer und auch zwei Biker hatte ich weit unten längst hinter mir gelassen.


Und dann war es soweit, ein Traum ging in Erfüllung. Ich stand mit dem Bike auf 3'299 M.ü.M. Wahnsinn, unbeschreiblich.

 
So siehts aus wenn einer eines seiner letzten Ziele geschafft hat und einfach nur glücklich ist.


Schon im Vorfeld malte ich mir aus, wie ich wohl den Weg den Seilen entlang kurz nach der Passhöhe begehen werde. Im Netz gibt es dazu die spektakulärsten Bilder, leider ist es nicht möglich solche zu machen, wenn man alleine unterwegs ist. Ich musste nur die erste Geröllhalde im Hintergrund runterschieben, danach stieg ich auf fuhr einfach los.


Ich fühlte mich sicher wie fast nie zuvor, ich war im Trailrausch.


Links gehts einfach nur runter bis zu dieser Ecke, dann ist diese Stelle geschafft. Was sich dann zeigte übersteigt noch die höchsten Erwartungen an eine epische Biketour...


...nämlich der Blick in die Abfahrt mit diesem Trail. Was will man da noch lange schreiben, man muss es einfach erlebt haben. Die Sicht reicht bereits bis runter zum Rifugio Vittorio Sella.


Der erste Teil des Supertrails ist geschafft, nun folgt eine kleine Hochebene...


...bevors mitten durch eine Schafherde (ohne Schutzhunde) zum Rifugio Vittorio Sella geht.


Gleich danach folgt das nächste Feuerwerk der Extraklasse, der neu sanierte Weg bis runter nach Valnontey. Die quer zum Weg senkrecht gestellten wasserabweisenden Steinplatten sind grösstenteils überfahrbar. Für diejenigen unmittelbar in der Spitzkehren habe ich meine eigene Technik angewendet, nämlich spitzwinklig ranfahren, den Fuss direkt auf die Platte stellen, das Vorderrad rüberheben und weiter gehts.


Bald ist auch diese Abfahrt fertig, ich sehe schon den Campingplatz. 1'630 hM bewältigt die Abfahrt und jeder Meter ist es den langen Aufstieg wert.

Fazit kurz und bündig: Beste Tour ever, 100%, definitiv.

66 km, 2'755 hM, 7h04'