Mit einiger Skepsis plante ich diese Tour rund um den Mont Fallère (TMF, die auch offiziell so markiert ist). Ich wusste nicht genau, wie sich der erste Übergang gestaltete, da auch hier nicht viel zu finden war im Netz. Ich ahnte, nur dass es zum ersten Übergang elend steil sein dürfte. Ich sollte jedoch positiv überrascht werden.


Panorama vom Pointe de Chaligne


Bereits kurz nach dem Start in Etroubles bog ich Richtung Flassin ab, die Schotterstrasse begann unmittelbar stark zu steigen und führte die nächsten 1'000 hM zur Tsa de Flassin, immer zwischen 15 und 20 Prozent Steigung. Ich legte mir schon einen Plan B mit einer Ersatztour bereit, falls ich bereits früh mit schieben beginnen müsste. Doch auch mit den beiden vorherigen Touren ohne Ruhetag in den Beinen fühlte ich mich prächtig und kam flott voran.


Auf Tsa de Flassin war das Gröbste geschafft. Nun standen 500 hM schieben und tragen bevor, von denen ich auch nicht genau wusste, wie sich das im oberen Teil gestaltet und besonders, wie ich vom nächsten Übergang Col de Vertosan rüber zum Col Fenêtre kommen sollte. Auf keiner Karte waren hier Wege eingezeichnet.


Der Aufstieg zeigte sich als wunderschön und angenehm. Kurzzeitig konnte auch wieder gefahren werden.


Panorama vom Col de Vertosan mit Mont Blanc


Auf dem Col de Vertosan mit 2'695 M.ü.M. war der Aufstieg noch nicht fertig. Ich musste noch fast bis zum Gipfel des Mont de Vertosan aufsteigen, um dann darüber hinweg zum Col Fenêtre zu gelangen. Aber die Wege waren wunderbar gängig angelegt, superschön.


Knapp unterhalb des Gipfels des Mont de Vertosan war ich dann am höchsten Punkt der Tour. Majestätisch trohnt der Weisse Riese über allem. Hier dann die erste geschnitze Skulptur. In der ganzen Umgebung des Rifugio Mont Fallère stehen solche Skulpturen rum, ich kenne die Geschichte dahinter leider nicht.


Ein letzte Blick zurück ins Tal, durch welches ich den ganzen Aufstieg gekommen bin. Von hier konnte ich auch fast die ganze mühsame Abfahrt von gestern nochmals einsehen.


Für diese Abfahrt zum Rifugio Mont Fallère hatte ich ebenfalls meine grössten Bedenken und rechnete mit einem längeren Fussmarsch. Zu meiner grossen Freude zeigte sich vom höchsten Punkt an ein wunderschöner Weg runter. Der Trailspass dieser Tour konnte defintiv beginnen.


Vorbei an weiteren Skulpturen ging es flott und flowig runter.


Im Rifugio Mont Fallère machte ich eine ausgedehnte Pause und erfreute mich am regen Treiben. Ein wunderschönes Haus mit urtümlicher Einrichtung und den ganzen Skulpturen in der Umgebung würden zu einem längeren Aufenthalt mit Übernachtung einladen. Ich musste aber weiter.


In einem kurzen schiebbaren Gegenanstieg...


...und wunderschönen Trails...


...gelangte ich zum Lac Fallère. Die Trails waren einfach der Hammer. Von da ging's dann runter zur Alp Nouva. Eigentlich führt die TMF nun rund um den Pointe de Mètz und ich hatte auch geplant, so zu fahren. Aber ich fühlte mich dermassen gut, dass ich den direkten Aufstieg zum Pointe de Chaligne nahm.


Zuerst war noch ein Fahrweg, dann bog der Trail ab der Seite entlang, zuerst noch fahrbar, später dann nur noch schieben und tragen bis zum Col de Mètz.


Panorama in den Talkessel, wo ich hergekommen bin. Hinten die Alpen Richtung Frankreich, irgendwo dort ist der Kleine St-Bernhard.


Der Col du Mètz liegt in einem Sattel zwischen Pointe de Mètz und Pointe de Chaligne. Nun gilt es noch den Schlussaufstieg auf den Pointe de Chaligne zu meistern.


Auf dem Pointe de Chaligne auf 2'607 M.ü.M. ist es dann geschafft. Ein grandioses 360°-Panorama über alle Aosta-Täler entschädigt für den Aufstieg und den vergossenen Schweiss. Unbeschreiblich das Gefühl, man könnte stundenlang verweilen und immer wieder etwas Neues entdecken.


Panorama Richtung Osten über Aosta mit wunderschönem Wolkenspiel.


Was dann kam war einfach nur Weltklasse. 1'350 hM Abfahrt standen mir bevor. Über den ganzen Grat runter zum Col de Tardiva...


...und weiter über die Crête de Tardiva führte ein Trail, der Seinesgleichen sucht.


Mit Blick geradeaus sieht man einfach tausend Meter tief runter ins Tal.


Bis jetzt führte der Trail mehr oder weniger geradeaus und in einem moderaten Gefälle über den Grat oder einem Hang entlang über Bergwiesen. Am Ende der Crête kam dann aber noch das i-Tüpfchen auf dem Sahnehäubchen. Dieses Bild sagt den Trailliebhabern wohl alles...


Wie schon mehrmals in der Umgebung ging es auf einem abartigen Waldtrail dem Talboden entgegen. Erst auf der Alp Praz Gallet wurde daraus eine kurze Irrfahrt, weil der markierte Wanderweg eigentlich nicht mehr existierte. Improvisieren war nötig.


Unten dann traf ich auf den Suonenweg, den ich ebenfalls letztes Jahr bereits in umgekehrter Richtung befahren habe. Auf diesem kehrte ich dann gemütlich nach Etroubles zurück. In Ruhe konnte ich das gerade erlebte verarbeiten.

Diese Runde ist ein absolutes Highlight und kommt ziemlich weit oben auf die Liste der Toptouren. Wer den anfänglichen 1'500 hM-Aufstieg nicht fürchtet, erlebt danach ein wahres Trailfeuerwerk der Extraklasse, einfach nur Grandioso.

34 km, 2'235 hM, 5h31'