Zum ersten Mal in meinem Bikeleben unternahm ich alleine eine Zweitages-Rucksacktour. Irgendwie hat sich das bis jetzt nie ergeben. Vor 30 Jahren machte ich mal mit meinem Kollegen Üelu eine Zweitagestour, die Voraussetzungen waren damals aber ganz anders.

Ich hatte vor, die Runde um den Grand Combin zu machen, in der mir nun bestens bekannten Gegend der Westalpen. Ausgangspunkt war Le Chable im Val de Bagnes.


Panorama ins Aostatal

Tag 1: Le Chable - Fenêtre de Durand - Etroubles               66 km, 6h51', 2'419 hm 


Zuerst hatte ich vor, bis nach Fionnay das Postauto zu nehmen, dann setzte sich aber der Ergeiz durch, die komplette Runde selber zu fahren. Auf asphaltierter Strasse ging es am Morgen früh lange durch das Val de Bagnes hinauf bis zur Staumauer des Mauvoisin. Vielleicht war ich ein wenig zu früh dran, noch nirgends war ein Kaffee zu erhalten. Erst im Hotel Mauvoisin erstand ich mir aufgrund fehlenden Personals selber einen Kaffee hinter dem Buffet.


Ausblick aus einem Fenster im Tunnel auf die Staumauer.


Langsam kam die Sonne und es wurde angenehm warm. Erst vor drei Wochen war ich ja hier auf einer anderen Tour.


Ich geniesse jedes Mal diese Passage entlang des Lac de Mauvoisin. Herrliche Ausblicke, nur das knirschen der Räder auf der Strasse, das Rauschen der Bäche und die Pfiffe der Munggen durchbrechen die Stille.


Ich war sehr gespannt auf den Aufstieg zum Fenêtre de Durand. Seit langer Zeit stand dieser vielgenutzte Übergang für Transalps auf meinem Programm.


Er erwies sich dann als viel harmloser als angenommen. Bis auf eine verfallene Alp führt noch ein fahrbarer Alpweg. Dann folgt eine angenehme Schiebe- und Tragepassage von rund 350 hM über die erste Geländestufe, nie richtig steil, man kommt flott voran.


Einiges flacher führt der Trail dann zur Passhöhe. Viele Abschnitte können gefahren oder geschoben werden.


Fenêtre de Durand auf 2'805 M.ü.M. Hier holte ich einen italienischen Biker ein. Geschütz vor dem starken Wind nahmen wir in einer Steinburg unsere Verpflegung ein. Die Ausblicke in beide Richtungen waren einfach nur fantastisch.


Bald einmal tauchte in der Abfahrt der Lac Fenêtre auf, wunderschön eingebettet in die Hochgebirgslandschaft. Die Abfahrt erwies sich als grösstenteils fahrbar, mit einigen verblockten oder zum fahren zu steilen Passagen, zumindest für meine Verhältnisse.


Von der Alp Thoules bis Lombardin blieb dann nur der Alpweg, bevor ich da wieder auf einen wunderschön angelegten Trail bis Balme de Bal ausweichen konnte. Ab hier wieder Alpweg bis Comba de By, weil ich vorhatte, hier eine kurze Gegensteigung zu nehmen, um den Trail entlang der Bisse Ru de By zu erreichen.


Eine kurze Tragpassage von der Strasse hinten unten hier hinauf von ca. 10 Minuten, die es sich jedoch lohnt zu nehmen.


Panorama in den hintersten Talkessel By.


Zuerst führt die Bisse unter einem Fahrweg...


...dann unter dem Trail durch diesen schmalen Tunnel, in welchem man nicht aufrecht, sondern schräg angelehnt an die Felswand gehen muss...


...bis sie dann offen diesem wunderschön angelegten Trail entlang führt.


Italien wie es leibt und lebt, mit dem Auto so hoch wie möglich fahren, um dann auf einer Weide an der Sonne gemütlich zu picknicken. Dutzende Autos und viele Leute belagerten die Alp Champillon. Hier holte mich auch wieder der italienische Biker ein, der alles auf den Alpstrassen abfuhr. In Unkenntnis der weitere Routenwahl folgte er mir dann ins Tal.


Nach einer kurzen Passage über eine Forststrasse begann dann ein Trailfeuerwerk der Extraklasse bis fast runter nach Etroubles.


Fast 700 hM auf feinsten Wald- und Wurzeltrails, es hätte ewig so weitergehen können.


Mein Ziel für den ersten Tag, Etroubles im Aostatal an der Passstrasse zum Grossen St-Bernhard.

Tag 2: Etroubles Gd St-Bernhard - Colle de Mille - Le Chable      65 km, 7h32', 2'571 hm


Panorama am Gd St-Bernhard


Wiederum früh am Morgen startete ich zur zweiten Etappe und Rückkehr in die Schweiz. Ich fuhr in langer und angenehmer Steigung über Teer- und später Forststrassen hoch zum Plan Puitz. Ein weiterer herrlicher Tag kündigte sich an.


Immer wieder konnte ich bereits begangene Pässe sehen, wie hinten rechts den Col Citrin, welchen ich letztes Jahr gemacht habe, oder noch bevorstehende Sachen wie hinten links ein geplanter Übergang von nächster Woche in meinen Bikeferien im Aostatal.


Bei meinen Recherchen stiess ich auf einen wunderschönen Höhenweg Richtung Gd St-Bernhard, welcher mir nun bevorstand.


Zuerst noch durch den Wald...


...und später offen dem Hang entlang schlängelte sich der Trail in einer leichten Steigung. Nur bei abschüssigen oder abgerutschten Stellen hies es sicherheitshalber absteigen und schieben.


Schon nahe am Pass ein weiterer Übergang hinten links von nächster Woche, gute Gelegenheit, aus der Ferne ein bisschen zu recherchieren.


Dann diese grosse Überraschung, eine Eselstute mit ihrem Neugeborenen, welches sie wohl erst letzte Nacht hier geworfen hat. Ihre Hinterläufe waren noch ganz blutig und das Fell des Fohlen noch feucht. Ein bewegender Anblick, ich musste grad ein bisschen hierbleiben und mit den beiden plaudern. Die Stute passte jedoch sehr auf, dass sie immer zwischen mir und dem neugierigen Jungen stand.


Unten in der Mitte beim grossen Gebäude traf ich dann auf die Passstrasse, welcher ich bis zur Passhöhe folgte.


Grosser St-Bernhard, 2'473 M.ü.M. Hier gab es dann endlich den langersehnten Kaffee und Kuchen.


Bis zum Stausee Lac de Toules führen grösstenteils schöne Trails abseits der Passstrasse runter.


Ab hier ging ich nun die gleiche Strecke wie vor drei Wochen, als ich diese Tour machte.


Über Bourg-St-Pierre und Azerin ging's Richtung Col de Mille. Hinten in der Mitte wartete der fieseste Aufstieg des ganzen Wochenendes, ein sehr steiler Pfad vor Le Coeur.


Auf La Vuardette dann bereits der Blick rüber zum Colle de Mille, dem letzten Pass dieser Tour. Letztes Mal nahm ich ab hier den Pfad in der Bildmitte runter auf die Alp und dann wieder hoch.


Diesmal ging ich alles obenrüber dem Hang entlang über Plan Sevéreu. Sehr schöne Trails mit doch einigen Schiebestrecken, aber einer nochmals fantastischen Aussicht.


Col de Mille, 2'472 M.ü.M. Endlich die langersehnte Cola in der Cabane, bevor dann die letzte finale Abfahrt ins Tal startete.


Der Trail zog sich lange dem Hang entlang zur Alp Servay. Viele verblockte Stellen und einige kleine Gegenanstiege zehrten dann doch an den letzten Kräften. Da war die letztmals begangene Abfahrt über Larzai um einiges flüssiger.

 
Am kleinen See auf Les Golassons ging es dann endlich richtig runter. Über Weiden und durch den Wald zog sich ein geiler Trail runter, der es zum Teil in sich hatte. Aber mit den grösseren Rädern waren für mich doch einige technische Hürden besser zu meistern. Trotzdem fuhr ich nun endgültig am Anschlag. Ich verlor über diese Abfahrt auch viel Zeit gegenüber der letztmals gewählten Variante.

Zurück in Le Chable blickte ich zurück auf eine grandiose Tour. Wer weiss, vielleicht werde ich ja nun doch noch zum gemütlichen Mehrtagestourenbiker. So eine Mont Blanc-Umrundung, die Chemin du Soleil oder gar eine Transalp habe ich immer noch im Hinterkopf...