Auf meinen Aufruf, im Wallis zwei schöne Biketouren zu machen, folgten Ändu, der mit mir mit dem Camper mitkam, sowie Rotscher mit Kollege Felix und Sven. Wir hatten vor, am Samstag über Plaine Morte und die Wildstrubelhütte zu fahren. Ein alter Traum von mir sollte so noch erfüllt werden.


Panorama über den Plaine Morte-Gletscher

In Sierre trafen wir uns mit Rotscher und Felix, um dann mit der Standseilbahn nach Montana die ersten Höhenmeter zu überwinden. Hier stiess dann auch Sven zu uns. Ich war voller Tatendrang und wollte nun alles hochfahren zum Plaine Morte, andere wollten am liebsten alles mit der Bahn shutteln, so einigten wir uns darauf, von Montana bis zur Cabane des Violettes zu biken und dann wieder die Gondelbahn zu nehmen. Die Idee erwies sich als nicht schlecht, wie ich bereits anhand der Webcam vermutete, lag noch viel Schnee im obersten Aufstieg zum Rezlipass.


Nach gemächlichem Beginn auf Teerstrasse führte die Route bald über Schotterstrasse ins Skigebiet, wo es dann zum Teil immer steiler wurde.


Bald hatten wir die Auswüchse der Retortenstadt Montana hinter uns gelassen und fuhren über Alpweiden und Skipisten immer höher. Je nach Anzahl Kettenblätter vorne litt man mehr oder weniger. Gut, vielleicht lag es auch an der frühen Tageszeit...Cool


Nach gut einer Stunde waren wir in Violettes und zwangen uns noch schnell in die abfahrbereite Gondel.


In der Gondel waren wir nicht mehr die einzigen Biker. Es sah danach aus, dass heute reges Bikertreiben auf unserer vorgesehenen Tour sein sollte.


Bei der Bergstation liessen wir dann mal bei einem warmen Kaffee die Höhe und die herrliche Aussicht in die weite Alpenwelt auf uns einwirken.


Danach noch schnell 50 höM aufsteigen und dann standen wir auf dem Pointe de la Plaine Morte auf 2'927 M.ü.M. Eine gewaltige Naturkulisse rundherum liess uns nur noch staunen und geniessen. Weitherum lag noch viel Schnee und wir sahen schon, dass nun runter an den Fuss des Gletschers und hoch zur Wysshorelücke wohl viel Snowbiken und -stapfen auf uns wartete.


Ein zügiger kalter Wind brachte uns bald wieder vorwärts. Trotz der Höhe und der kargen Landschaft gibt es doch vereinzelt hübsche Zeichen von Vegetation.


Und dann gings rein in den Schnee. Rotscher...


...Sven...


...und Ändu scheinen einen Riesenspass zu haben.


Dazwischen gehts wieder über Geröll runter, bevor der kurze Gegenanstieg zur Wysshorelücke anstand. In den 90-er Jahren sah ich in einer Berner Oberländer Zeitung mal einen Artikel, wo ein Helipilot ganz verwundert einen Biker am Plain Morte fotografierte, und endlich war ich selber hier.


Auch wenn ohne Schnee viel mehr gefahren werden könnte, kam bei uns kein Frust auf. Wir genossen einfach die Stimmung und hatten einen Riesenspass.


Blick zurück von der Wysshorelücke (2'904 M.ü.M.) zum Plaine Morte.


Panorama von der Wysshorelücke in die Berner Alpen und weit darüber hinaus. In der Mitte unten ist bereits die Wildstrubelhütte zu sehen.


Und hier begann dann, was unsere Leidenschaft so unglaublich geil macht: 2'400 höM Abfahrt runter ins Wallis. Unbeschreiblich die Gefühle die da aufkommen, die lassen sich in Wort und Bild nicht wiedergeben. Obwohl ich viel und gerne alleine unterwegs bin ist es immer wieder schön, diese Gefühle mit guten Kollegen teilen zu können.

 
Der Abstieg zur Wildstrubelhütte führte auch wieder grösstenteils durch Schnee. Es war ein riesen Gaudi, im Schnee rumzurutschen und auch einige harmlose Abflüge zu provozieren. Und es waren einige Biker mit der gleichen Absicht unterwegs.


Gut vorgespurt lief es mit genug Gefälle ganz ordentlich. Und für alle die noch die gleiche Tour vorhaben: Ich zweifle schwer daran, dass hier noch viel Schnee wegschmilzt oder es gar aper wird.


Nach der Einkehr mit Kuchen und Getränken in der Wildstrubelhütte wurden die Schneefelder weniger und kleiner, es konnte wieder ordentlich Trails gerockt werden, die einten mehr, die anderen weniger.


Die Bilder sprechen wohl für sich... Unten sieht man bereits das Rawilseeleni und den Rawilpass.


Felix voll im Element. Was der alles fuhr an diesem Tag, er kennt keine Hindernisse...


Liteville-Parade am Rawilpass.


Was dann über die Hochebene am Rawilpass folgte war einfach nur genial. Ein Bike-Spielplatz der Superlative. Flowige Trailvarianten laden zu technischen Spielereien ein, ohne dabei aber Schaden anzurichten oder die Wege zu verlassen. Die Mundwinkel schmerzten schier vom ewigen Grinsen.


Dann folgen die nächsten Geländestufen runter zum Lac de Tseuzier.


Superschön angelegt gehts durch diese Wand bis ans Ende des Stausees. Die Bewölkung nahm langsam zu.


Nach einer kleinen militärischen Abkürzung hinten am See erreichten wir die Staumauer, wo es dann ganz leicht zu Regnen begann. Hier stachen wir dann auf einem weiteren sensationellen Trail runter zur Bisse d'Ayent.


Manchmal ist es für diejenigen, die noch Familienangehörige haben, vorteilhafter zu laufen und sich am Seil festzuhalten.


Hier war es dann schon sicherer, aber zu schmal um richtig fahren zu können. Dafür war die Aussicht in die Schlucht einmalig schön.


Über Chamossaire und Fortunau gelangten wir schliesslich wieder auf den Trail zur Bisse de Clavau, welchen ich bereits in der Altjahrswoche fuhr. Hier dann auch wieder der spassige Tunnel, in welchem die mit den breiteren Lenkern die Vorderräder demontieren mussten. Und da der letzte nicht nochmal den Lichtschalter drückte, musste er halt im Finstern den Ausgang finden.

Wir fuhren dann in St-Léonard in den Talboden zurück und wollten eigentlich das erste Restaurant ansteuern. Felix sah jedoch gleich eine Bäckerei mit Tea-Room, er meinte hier müssen wir hin wegen der Patisserie. In der Gartenwirtschaft liessen wir diese Hammerabfahrt nochmals Revue passieren, es war fast zu schön um wahr zu sein.

Entlang der Rhone fuhren wir dann zurück nach Sierre, wo sich unsere Wege wieder trennten. Danke nochmals Euch allen für diese Traumtour, auf der wir einen Riesenspass hatten. Dieser Tag wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Ändu und ich wollten eigentlich am nächsten Tag noch den Meidpass anhängen, aber das schlechte Wetter machte uns einen Strich durch die Rechung. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben...

55 km, 5h13', 1'204 höM