Eigentlich wollte ich mich mit einer kleineren Tour ein wenig warm fahren, aber das Wetter für das erste Wochenende sah Regen voraus, so dass ich mich gleich ans Eingemachte wagte. Ich hatte bereits einiges gelesen über den Malatra und machte mich auf einiges gefasst. 


Wunderbares Panorama zum Mont Blanc-Massiv

Ich startete frühmorgens in Entroubles bei wunderbarem Sommerwetter durchs Tal hinauf. 


Die Berge leuchten bereits in der Morgensonne. Oben das Dorf St-Léonard am Fusse des Grossen Sankt Bernhard. 


Stetig steigend kreuzte ich die Autobahn zweimal, welche ganz hinten im Talboden in einem grossen Bogen wendet.


In einer angenehmen Steigung fährt man auf Teer- und später Forstwegen über schöne Alpwiesen bergwärts, bis am Ende der Strasse die Alp Tsa de Merdeux erreicht wird. Viele Alpgebäude sind hier massiv in Stein gebaut. 


Obwohl im ganzen Aostatal fast alles französich angeschrieben und benannt ist, spricht fast kein Mensch französich. Der Senn auf dieser Alp auf jeden Fall nicht. Trotzdem konnte er meine Bedenken wegen des Herdenhundes, welchen ich bereits von hier aus sah, verwerfen. 


Und tatsächlich, der Hund würdigte mich keines Blickes als wüsste er genau, dass ich wohl kein Wolf bin und dem Vieh Schlechtes wollte. Es blieb auf allen Touren der einzige Herdenhund, dem ich begegnete.


Wunderbar das Licht über die vielen Bergketten Richtung Süden.


Und dann kam der Malatra zum ersten Mal ins Blickfeld. Wenn man in das Bild zoomt sieht man eine Wandergruppe in der letzten Wand unmittelbar vor dem Pass.


Wie ich auch bereits wusste, konnte man auf einem schönen Plateau noch ein kurzes Stück fahren. Hinten sieht man die Traverse des Wanderweges in die letzte Wand. Sieht ziemlich spektakulär aus.


Der Hang mit der Traverse war dann nicht so steil wie erwartet und noch schön fahrbar. Hier sah ich zum ersten Mal auf einer Biketour die Königin der Alpenblumen, das Edelweiss.


Noch ein paar Eisentritte nach der steilen Wand auf losem Schotter...


...dann hat man den Colle Malatra auf 2'925 M.ü.M. erreicht. Herrliche Blicke beidseits in die Täler und zum Mont Blanc entschädigen für den Aufstieg von rund 90 Minuten ab der letzten Alp.


Über die Abfahrt ins Val Ferret las ich die unterschiedlichsten Meinungen. Ich war angenehm überrascht, konnte ich doch nach ein paar Höhenmetern aufs Bike steigen und bis auf rund 2'600 M.ü.M. auf einem schönen Trail praktisch alles fahren.


Die folgende Geländestufe war dann für mich nicht fahrbar. Da ich aber noch nicht ins Tal abfahren wollte, querte ich kurz darauf durch ein Geröllfeld in den kurzen Aufsteig zum Pas entre deux Sauts auf 2'524 M.ü.M.


Die folgende Abfahrt war dann weniger schön, viel verblockt und nur schiebend zu bewältigen. Ich entschied mich, statt zum nächten Pass, dem Col du Sapin, nun Richtung Val Ferret runter zu fahren.


Über superschöne Trails und rund 800 hM fuhr ich dem Talboden entgegen. Im Hintergrund sind mit dem Col de la Seigne...


...und dem Grand Col Ferret weitere bekannte Pässe von Westalpenquerungen zu sehen. Übrigens sollte man solche Wasserschläuche im Hintergund auf dem Weg besonders konzentriert überfahren, sonst landet man in der Botanik Wink.


Durchs Val Ferret gelangte ich über Courmayeur nach Morgex, wo der lange Aufstieg von rund 1'600 hM zum Sereina begann. Es war brutal heiss und bis nach Planaval nur Teerstrasse. Ich nahm mir viel Zeit dafür und machte einige Pausen unter schattigen Bäumen und bei kühlen Brunnen. Im Alter ist bei solchen Bedingungen doch eine gewisse Vorsicht geboten. 


Der eigentlich schöne Weg von Planaval zur Alp Rantin war dann dermassen steil, dass mit meinen müden Beiden nur noch laufen möglich war.


Die letzten 200 hM zum Übergang waren dann nur noch das Bike schulternd zu bewältigen.


Endlich war das letzte Tageshindernis, der Col de Serena mit 2'546 M.ü.M., im letzten Sonnenschein geschafft, wie ich übrigens auch. Nun hoffte ich noch auf eine schöne und kurzweilige Abfahrt.


Aber das sollte nicht sein. Nur kurze Abschnitte wie hier waren für mich wirklich fahrbar. Ich musste viele Höhenmeter runterschieben, bis ich endlich auf eine Forststrasse traf. Den Sereina kann man getrost weglassen. Verwunderte mich im nachhinein eigentlich nicht, fand ich doch wenig bis nichts von Bikern über diesen Pass.
Endlich im Talboden traf ich auf die grossen Parkplätze beim einzigen Skilift. Ich wollte nur noch so schnell und einfach wie möglich zu meinem Ausgangspunkt zurück und nahm gleich den direkten Anschluss auf die Strasse vom Grossen Sankt Bernhard. Bei der Zahlstelle in St-Léonard musste ich noch ziemlich Grinsen, traf ich hier doch auf das Verkehrsschild "Ende Autobahn".

Nach 83 km, 10h05' Fahrzeit und 3'563 Höhenmetern war ich ziemlich auf den Felgen nach dieser brutalen Tour. Aber es war trotzdem schön und bleibt sicher in Erinnerung.