Seit rund 20 Jahren verbringe ich regelmässig einen Teil meiner Ferien in Südfrankreich. Früher als aktiver Rennfahrer vor allem an der Ardèche am Fusse der Cevennen zum Kilometer fressen auf dem Rennvelo. Als Ausgleich war auch immer das Bike mit dabei. 
In den letzten Jahren, seit ich nicht mehr aktiv Rennen fahre, bin ich mehr in der Provence unterwegs, im Gebiet des Mythos der Radrennfahrer, dem Mont Ventoux.
Mir gefällt das mediterrane Klima dort unten, die Landschaft hält problemlos mit der Toskana mit und natürlich der feine Cote du Rhone gehört auch dazu.
Ich möchte hier einige Eindrücke aus diesen Gegenden nicht vorenthalten.


In den Wäldern rund um die Ardèche. Je nach Tageszeit und Abgeschiedenheit kam es öfter vor, dass ich Wildschweinen begegnet bin.


Auch mein Clubkollege Üelu war mehrmals mit dabei.


Das Gebiet an der Ardèche ist zum Teil sehr rauh. Es hat viele Felsen und groben Steinschotter, so dass einige platte Reifen vorprogrammiert sind. Die 70 km Umrundung der Ardècheschlucht auf einsamen Singeltracks, knackigen Anstiegen und schnellen Downhills war das jährliche Highlight.


Die Wälder sind einerseits durchsäät von Pisten und Trails, welche durch Endurofahrer mit Motorrädern entstanden, andererseits hat es auch ein ausgedehntes Netz von Waldstrassen, welche extra für die Feuerwehr zur Waldbrandbekämpfung angelegt wurden.


Oberhalb meines jeweiligen Stützpunktes an der Ardèche, nämlich St. Martin d'Ardèche.


Der Kreisel vor dem Städtchen Bedoin, dem Ausgangspunkt der klassischen Steigung auf den Ventoux, ist entsprechend gestaltet.
Jeweils an schönen Sonntagen im Mai/Juni begeben sich Hunderte von Gümmelern aus ganz Europa auf die anspruchsvolle Strecke. Es gibt mittlerweile Radsportveranstaltungen aller Art an diesem Berg: Volksbergrennen, Elektrobike-Rennen, 24-Stundenrennen (wer fährt innert 24 Stunden am meisten hoch) usw. Daneben findet auch alljährlich ein Autobergrennen statt.


Im obersten Teil wird man überall von Fotografen abgelichtet, die dann ihre Bilder übers Internet verkaufen möchten.


Die typischen Randsteine mit Streckeninformationen sind begehrte Souveniers. Sie werden öfter bei Nacht und Nebel abmontiert.


Die letzten 6 km vom Chalet Reynard zum Gipfel befinden sich in einer absolut kargen und wüstenähnlichen Landschaft. Diese wurde durch den dem Gipfel seinen Namen gebenden, meist starken Wind, geformt.


Üelu und ich beim Denkmal für den englischen Radrennfahrer Tom Simpson, welcher an der Tour de France 1967 vollgepumt mit Alkohol und Doping an dieser Stelle ca. 1,5 km vor dem Gipfel buchstäblich krepierte. Hier legen die Besucher aus aller Welt zum Gedenken allerlei Gegenstände hin.


Das Chalet Reynard befindet sich 6 km vor dem Gipfel. Es bietet nebst der Eindeckung mit allerlei Souveniers die Möglichkeit, sich nach dem Gipfelsturm auf dem Rückweg mit einem feinen Kaffee zu stärken.


Es gibt auch verschiedene Aufstiege abseits der Hauptstrassen, welche mit dem Bike absolviert werden können. Als Downhill bieten sich wiederum unzählige Endurotrails an.


Ich befuhr bisher zweimal den Anstieg auf der Südseite. Es geht alles auf einer über 20 km langen, zum Teil steilen Schotterstrasse in Serpentinen den Hang hoch, bevor die letzten ca. 2 km flach zum Chalet Reynard führen. Ganz auf den Gipfel ist es abseits der Strassen nicht fahrbar mit dem Bike.


Diesen Frühsommer hatte ich ein eigenartiges Erlebnis bei meinem Aufsteig mit dem Bike auf der Schotterstrasse. Ich startete frühmorgens , um der grössten Hitze auszuweichen. Auf den ersten 100 m des Anstieges schoss aus dem Gebüsch ein herrenloser Border Collie. Da ich auf dem Bike vor jedem Hund ziemlich die Hosen voll habe, bangte ich ernsthaft um meine Waden. Der Hund hatte jedoch nichts dergleichen im Sinn, sondern er begleitete mich den ganzen Aufstieg. Er lief immer vorneweg, in den Kurven wartete er jeweils und gab manchmal Laut von sich, fast wie um mir zu sagen ich soll ein bisschen Gas geben. Erst nach über 20 km, als es flacher wurde, fand der arme Kerl eine Pfütze, die er dann fast aussoff und sich darin abkühlte. Da ich nun schneller war als er und auch zu seinem Schutz, damit er mir nachher nicht auf der Teerstrasse nachläuft und den übrigen Verkehr gefährdet, hängte ich ihn nun ab.
Ich vermute, der hat das nicht zum ersten Mal gemacht und hält sich so in Bewegung.

Soweit ein kleiner Einblick in eine Gegend, in welcher ich mir vorstellen könnte, nach meiner Pensionierung viel Zeit zu verbringen, allerdings nicht mehr mit biken, sondern bei Pastis, rotem Wein und Boule spielen.